Wir tappen nicht im Dunkeln war das Motto der Dreitages-Fahrt zu Beginn der Sommerferien. Zehn Mädchen aus Familien, die sich Freizeiten nicht leisten können sowie drei Mitarbeiterinnen des Mädchenhauses sind mit dem Zug nach Frankfurt gestartet und haben erstmal die große Jugendherberge direkt am Main und dann die Umgebung erkundet. Jedes Mädchen hatte allein oder mit der Freundin ein Spiel zum Thema Wahrnehmung vorbereitet, sodass sich die Gruppe kennen lernen konnte und das Motto der Fahrt deutlich wurde. Die Mädchen hatten Vier- und Dreibettzimmer, allerdings weniger zum Schlafen, als vielmehr zum Kommunizieren …

Am zweiten Tag ging es nach Wiesbaden, wo eine Stadtführerin auf uns wartete, die zum einen zur Situation von Frauen und Mädchen früher und zum anderen über die heißen Quellen Spannendes zu berichten wusste. Dass es Vulkane in Hessen gibt und Mädchen noch nicht lange studieren dürfen, geschweige denn Hosen anziehen dürfen, erstaunte die Mädchen sehr. Das heiße Wasser aus einer Quelle mitten in der Stadt schmeckte den mutigen Probiererinnen allerdings gar nicht, viel zu viel Eisen! Nach dem Wandeln auf historischen Spuren und vielen Informationen ging es weiter zum Schloss Freudenberg, wo nun die anderen Sinne auch gefragt waren! Es wurde gemeinsam und alleine balanciert, gerochen und geschmeckt, barfuss mit geschlossenen Augen über verschiedenste Materialien gelaufen, durch ein Labyrinth gegangen, getönt, gepustet, geschnitzt, gestaunt, geraten, gegongt, geguckt, gefühlt, gehört und vieles mehr. Ein wunderbarer Nachmittag mit vielen erhellenden Erlebnissen! Der Abend wurde lecker bei einer Pizza beendet.

Der nächste Tag brachte die Gruppe zu dem besonderem Museum: "Dialog im Dunkeln". Schon der Name machte neugierig und auch ein bisschen ängstlich. Die Vorstellung gar nichts sehen zu können und nur nach Gehör, mithilfe eines Stockes zu gehen verunsicherte schon gehörig. Die Gruppe wurde geteilt, denn nur jeweils acht Personen werden von einer blinden Person durch die sechs absolut lichtlosen Räume geführt. Die Mädchen fanden sich in Alltagssituationen wieder, wie in einem Park, auf einem Markt, auf einer befahrenen Straße, die sie überqueren mussten, bei einer Bootsfahrt, bei der die eine und andere auch nass wurde sowie in einem Raum mit Musik, (die liegend auch gespürt werden konnte). Höhepunkte war zum einen das Kommunikationsmuseum mit Telefonen und anderen Geräten, jede ertastete ein Telefon, ebenso wie die dazugehörige Nummer, mit denen das Spiel "stille Post" eine völlig neue Dimension bekam. Zum anderen die Dunkelbar, in der die Mädchen ein Getränk bestellten und auch selber bezahlten. Ohne dass sie sehen konnten, hatten all diese Situationen eine völlig neue Erlebnisqualität für die Mädchen.

Ein Motto des Museums von Martin Buber: Die einzige Form zu lernen, besteht in der Begegnung begleitete auch die Reise nach Frankfurt und Wiesbaden, die durch Ihre Spende erst möglich wurde! Ein großes DANKESCHÖN noch einmal an dieser Stelle an Kiwanis Wilhelmshöhe von allen Mädchen und Mitarbeiterinnen!

 

 

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